| Stipendium Korea Foundation |
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Papiere der Erinnerung - Spur der Emotionen
Zu Antje Siebrechts Stimmungslandschaften
Antje Siebrechts Bilder der letzten Jahre transportieren Stimmungen, Emotionen und vor allem Erinnerungen - aufsteigend aus farbigen Papierfragmenten, die im Prinzip der Collage durch Schichtungen, Überlagerungen, Durchdringungen zusammengeführt werden und die materielle Grundlage ihres interkulturellen Interesses legen. In ihren Arbeiten nämlich spiegeln sich zumeist Eindrücke und Erlebnisse längerer Auslandsaufenthalte: Blätter der Erinnerung an Kulturen und Religionen, entstanden aus zeitlicher und räumlicher Distanz im westlichen Europa. Und genau dieses Spannungsfeld zwischen Kulturen und Lebensformen ist immer wieder zentrales Thema der künstlerischen Auseinandersetzung Antje Siebrechts. Es sind Bilder, die den individuell-emotionalen Zugriff der Künstlerin auf das Fremde und Entfernte zum Ausdruck bringen und die Verknüpfung des Exotischen mit den Vorstellungen von Emotion und Stimmung suchen. Fundstücke - Papiere, Autographen, künstlerische Vorlagen und Textfragmente beispielsweise religiösen Inhalts, literarische Vor-Bilder, Kalligraphien einer uns fremden Sprache - erfahren ornamentalen Einsatz in der Gesamtkonzeption von Formen, Farben, Schichtungen. Die aus zeitlicher und räumlicher Distanz zusammengeführten Elemente werden durch den spontanen graphischen Eingriff der bewegten Linien gebunden und in Zusammenhalt gebracht. Auf diese Weise kontrastiert die dynamische, auf die Collage gesetzte Graphik aber auch mit dem eher Statuarisch-ruhigen der Farbflächen und durchscheinenden Schichten: Es stehen die gestischen Zeichen Antje Siebrechts den geordneten Farbstrukturen und Textblöcken gegenüber, die als rationale intelligible Bildelemente den Gegenpol des Spannungsfeldes bilden. Denn auch fremdartige Schriftstücke werden als kalligraphische Symbole des Entfernten nicht auf Lesbarkeit hin ins Bild gesetzt. Die Botschaft bleibt dem Betrachter oft verborgen. Vielmehr bedeuten lexikalische Zeichensysteme als ornamentale Motive im Gesamtaufbau der Arbeit das Gegengewicht zum spontanen zeichnerischen Zugriff der Künstlerin: Das geordnete, verschlüsselte Symbolsystem fremder Sprachen oder das zur konstruktiven Flächengliederung integrierte Papierfragment steht im Kontrast zur Geste der graphischen Gestalt in ihrer Bewegung und Emotionalität. Und indem sich diese gegensätzlichen Ausdrucksformen zu einem Gesamtbild zusammenfinden, entsteht eine spannungsvolle Wechselwirkung der Elemente untereinander, ein Dialog der Symbole, der letztlich als ein visualisierter Dialog der Kulturen verstanden werden darf.
Johanna Werckmeister
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